29.12.05

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Rubosch und Schalk waren eingeladen worden. Von Scholz.

„Wahrscheinlich, um mit seinen alten Freunden zu feiern.“ vermutete Rubosch. „Besser, als das andauernd bei uns zu tun.“ Schalk war wegen dem Streit mit Scholz immernoch missgestimmt: „Dann müssen wir hinterher auch nicht aufräumen.“

Scholz´ Tür stand offen. Also trat man ohne zu klingeln ein. Der Gastgeber selbst bewegte sich in seiner kleinen Stube zwischen Kleiderschrank und Bett hin und her. Packte Dinge in einen aufgeklappten Koffer.

„Kommt herein meine Freunde!“ empfing er Rubosch und Schalk, als er unser Eintreten bemerkte.
Da es nicht zu übersehen war, kam Scholz - bevor wir uns gesetzt hatten - zum Grund für die Einladung. Er wollte sich von seinen Freunden verabschieden, bevor er für länger verreiste.
„Wohin?“ platzte Schalk heraus. Und Rubosch wollte wissen, ob wir nicht mitkommen konnten.

Scholz aber blieb ernst. Er erinnerte an den Streit und dass seine Motive damals ebenso wie jetzt reine Ansichtssache seien. „Es ist doch so, dass einen Kummer und Sorgen die ganze Zeit über beschäftigen.“ Er stand während er sprach auf, holte einen Apfel und ein Schälmesser aus der Küchennische.

„Man überlegt, wie löse ich dies, wie bezahle ich jenes. Wann kommt soundso, wie sage ich das demunddem?“ Er hielt die Frucht so, dass wir sie sehen konnten. „Das sind die Mängel und Nöte.“ Er kratzte mit dem Messer mehrere Kreuze in die Schale. „Und während die Zeit vergeht versuchen wir sie Schicht für Schicht abzutragen.“ Erklärte er, als er anfing, die Schale rundherum in einem einzigen Streifen abzupellen.

Rubosch bemerkte den Saft des Apfels spritzen und drehte sich zur Küchennische, aber es war kein anderer Apfel mehr da. Um so aufmerksamer beobachtete er, was mit dem Unikat in Scholz´ Hand geschah.

„Ich aber behaupte,“ Scholz liess seine Stimme wichtig und erhaben klingen, „dass die eigentlichen Mängel viel tiefer liegen. Und wir sollten uns nicht von der Schale abhalten lassen zu ihnen vorzudringen!“ Und er stach feste ins Fruchtfleisch. Der Stoss war ein wenig zu heftig: Der Apfel zerbrach zu drei Teilen. Zwei grosse, ein kleiner. Die flogen nebst Kernen und Safttropfen zu Boden.

„Sich nicht vom Strom mittreiben lassen, sondern schneller sein, ihn einholen.“

Rubosch stürzte zu Boden, hob den Apfel auf und wischte den Staub mit einem Hemdszipfel ab.

Schalk fragte: „Und wohin soll der Strom führen?“
„Ich weiss es nicht.“ erwiderte Scholz. „Das wird sich schon zeigen. Soviel steht fest. Im richtigen Moment bietet sich die richtige Lösung an. Und wo ich schon lande, es wird schon noch weitergehen.“

Eine sonderbare Athmosphäre lag in der Luft. Die drei Freunde wussten kaum, was sie einander sagen sollten. Abschied lag in der Luft, Schalk war gänzlich anderer meinung als Scholz, den plagte das Gewissen, guten Freunden adieu zu sagen und Rubosch schmatzte laut.

„Werden Sie lange bleiben?“ brach Schalk das Schweigen. Scholz konnte diese Stimmung nicht mehr ertragen. „Hört mal, Freunde. Ich werde sobald ich irgendwo angekommen bin schreiben. Und wer weiss, vielleicht ist es dort so gut, dass Ihr einfach nachkommt.“

Mit gemischten Gefühlen sahen sie sich an. Gerührt musste Scholz seine Freunde angrinsen. „Sandkästen gibt es ja überall.“
Meinte er und spielte auf Ihre seit jüngsten tTagen bestehende Kinderfreundschaft an.