29.12.05

5

Am Tag der Abreise trafen wir uns in der Empfangshalle des Anwesens.
Während Schalk nur ein Schmetterlingsnetz und einen Tropenhelm dabei hatte, wuchtete Rubosch dutzende von schweren Koffern und Taschen herbei und nannte es Handgepäck. Sein Schiessgewehr hatte er sich über die Schulter gehängt.
„Aber Rubosch! Wozu brauchen Sie soviel Gepäck? Auf einer Expedition muss man doch mit dem Nötigsten auskommen.“
Rubosch hielt sein Gewehr fest. „Ich brauche es! Wie soll ich uns sonst vor den gefährlichen Tigern, die blutrünstig sind verteidigen?“ Hilfesuchend blickte er zu mir.
„Gegen das Gewehr habe ich nichts.“ sagte Schalk. „Es geht um die Koffer. Wir fahren auf Schiffen und reisen vielleicht auf Elefanten. Wer weiss, was sonst noch alles.“

Rubosch beäugte lange nachdenkend die Ansammlung der Gepäckstücke. „Also gut.“ meinte er schliesslich. „Auf ein oder zwei Koffer kann ich verzichten.“ Schalk wollte schon weiterschimpfen, doch Rubosch fuhr fort: „Eventuell lasse ich auch alle Koffer hier.“ Wieder sah er zu mir. „Nur einen ganz kleinen muss ich unbedingt mitnehmen!“

Bettelnd sah er Schalk, dann wieder mich an. „Bitte! Es ist dieser!“ Er ergriff einen Koffer, hielt inne, und nahm einen anderen, wirklich klitzekleinen Koffer.
„Und was ist in ihm drin?“ wollte Schalk wissen. Darauf wusste Rubosch keine Antwort. Mit kindlicher Eifrigkeit stürzten sich beide auf den Koffer, um nachzusehen.

Schalk kicherte und auch ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Warum wollten Sie einen Koffer voller Büroklammern mit nach Übersee nehmen, Rubosch?“
Rubosch guckte beleidigt auf den Kofferinhalt. „Man kann nie wissen, wozu man sie gebrauchen kann. Auch in Übersee.“
„Denken Sie im Dschungel gibt es Papierformulare und Notizen, die Sie abheften müssten?“
Erbost bestand Rubosch nun erst recht darauf, den Koffer mitzunehmen.

Ich war neugierig, was der andere Koffer enthielt, den Rubosch zuerst ergriffen hatte.
Wir sahen nach. Ich staunte. Ein richtiges Überlebenspaket mit Wundsalbe und Arzeneien für Buschfieber. Ein Allzweckkompass und ein Traubenzucker für den Notfall.

„Lassen Sie uns lieber den mitnehmen!“ schlug Schalk vor. Doch Rubosch weigerte sich.
Das Schiessgewehr geschultert, den Koffer in der Hand stand er erwartungsvoll an der Tür. Für ihn war die Sache offensichtlich geklärt und er fing auch schon wieder an, zu scherzen.

Schalk betrachte nachdenklich den Überlebenskoffer, der zurückbleiben sollte. „Hoffentlich werden wir den nicht noch gebrauchen können.“ Und ging mit uns nach draussen.