29.12.05

6

„Der erste Teil unserer Reise beginnt hier.“ verkündete Schalk stolz, als wir die Bushaltestelle erreicht hatten.
Schalk hatte diese Reise komplett geplant und organisiert.
„Wir nehmen den Dreier, steigen nach drei Haltestellen um in den Zweier, der uns zum Bahnhof bringt. Dort finden wir Anschluss im Einser und nach vier Haltestellen steigen wir nochmals um. In den Fünfer bis zur Endstation. Ein Taxi bringt uns von dort zum Hafen, ein Schiff nach Übersee. Da angekommen dürft Ihr Euch entscheiden, ob Ihr Euch meiner grossen Expedition durch den grausamen Dschungel anschliessen möchtet.“ Sein finsterer Blick liess uns die Torturen, die auf die Expeditionsteilnehmer warteten schon jetzt erahnen.

Rubosch stürmte den Bus und hielt Schalk einen Platz auf der letzten Bank frei.
„Stimmt es,“ fragte er leise, „dass wir auf Elefanten reisen werden?“
„Wir werden sehen.“ Schalk verfinsterte seinen Blick, starr und geradeaus gerichtet. Rubosch pustete aus und sah nervös und aufgeregt zu mir.

„Ich habe es mir anders überlegt.“ liess uns Schalk wissen, als wir im Zweier sassen. Er machte eine rethorische Pause, wartete, dass wir unsere Aufmerksamkeit ihm zuwandten. Das taten wir ohnehin und das Warten wurde fast dramatisch in die Länge gezogen.
„Wir nehmen doch anschliessend den Sechser zum Hafen. Das ist billiger und schneller.“
„Warum sind Sie nicht gleich darauf gekommen?“ erkundigte sich Rubosch.
„Weil der Sechser zwei Drittel der Strecke durch einen Tunnel fährt. Ich dachte, das ziehmt sich nicht für eine Erholungsreise.“
„Und Sie sind nun zu der Ansicht gelangt, dass dies mehr als eine Erholungsreise ist. Nämlich eine Expedition.“ Rubosch war stolz darauf, Schalks Gedankengänge schon vorher erahnen zu können.
„Nein, das ist es nicht.“ Vorsichtig dreht sich Schalk nach hinten. „Seit einiger Zeit verfolgt ein Taxi den Bus.“
Rubosch drehte sich auch vorsichtig um. „Sie meinen, dass das das Taxi ist, welches uns nach der ursprünglichen Planung von der Endstation zum Hafen hätte bringen sollen.“
„Genau.“

Ein wenig aufgescheucht blickten sie in alle Richtungen. „Ich sage Euch, hier ist etwas faul. Wenn das Taxi uns jetzt schon nachstellt, was wird sein, wenn wir erst drin sitzen?“ flüsterte Schalk.

Der Bus hielt an einer Haltestelle. Das Taxi blinkte, scherte aus und überholte den Bus.

Dem Wagen nachschauend nickten Rubosch und Schalk. „Donnerwetter!“ machte Rubosch. „Die Verkehrsregeln kennt er, der alte Fuchs.“
„So ein Haudegen, war auch Schalk beeindruckt. „Das ist ein Verkehrsprofi, sowas triffste nicht alle Tage.“