29.12.05

24

Am Abend wurde Schalk nachdenklich. „Ich bekam den Ball wirklich nicht zu fassen.“
„Ein Ball ist nur ein Ball.“ erwiderte der kapitän. „Wieviele Menschen meinen Sie, haben noch nie einen Ball zu fassen gekriegt? Es sind milliarden. Das kann ich Ihnen sagen.“ Pfeife schmauchend zwinkerte er uns zu. „Auf hoher See haben wir immer einen Satz Medizinbälle dabei.“

„Herr Kapitän haben wirklich Humor.“ sagte Rubosch würdevoll.

Scholz sprach einen Trinkspruch aus, der Kapitän übersetzte diesen in die Seemannssprache, wir lachten.

„Was ist los mit Ihnen Schalk?“ fragte Scholz, der sah, dass sich Schalk nicht so recht am Spass beteiligen mochte. Ob er beleidigt sei wegen des Spieles wollte Rubosch wissen.

Schalk stand auf, lief zum Fenster, was in der kleinen Hütte nicht sehr weit war.
Dann brach er los. Ob Scholz sich mit dieser Situation abgefunden habe, hier Erholung feiere. Und was wir uns einbildeten, kostbarste Zeit mit Spielen und Geschwätz zu vergeuden. Schalk war überraschend streng und ungehalten.
„Immer nur Worte, die sich darum drehen, dass sie sich drehen. Doch sie drehen sich nur darum, dass sie sich drehen, und drehen sich nicht wirklich.“

Rubosch hob alamiert die Hand, gebot Einhalt und zählte Schalks letzten Satz noch einmal mit der anderen Hand durch. Dann immernoch die Hand erhoben: „Das verstehe ich nicht.“

Doch Schalk brauste weiter. Er habe geglaubt, und so habe es ja auch den Anschein gehabt, dass Scholz wie ein Pionier neue bahnbrechende Dinge bewegen würde. Stattdessen sei er in einem Schlaraffenland und liesse es sich gut gehen. „Und ein Gelehrter Professor, der Rätsel erzählt ist ja doch nur ein Alibi.“

Betretenes Schweigen. Keiner wagte es, Schalk noch mehr zu erzürnen. Bis der Kapitän als unparteiischer Beobachter vorschlug, das ganze doch bei einem Gläschchen auszusprechen. „Die Dinge beim Namen nennen, nennt man das bei den Seeleuten.“ und zwinkerte Rubosch zu. Der war verwirrt. „Aber so nennt man das doch auch an Land!“

Der Gelehrte fing nun ganz sanft an: „Herr Schalk, Sie missverstehen die Dinge. Was da wie unbeschwertes schönes Leben ausschaut, ist doch nur der Ausgangspunkt für die geistlichen Aspekte.“ Mit einer Geste zeigte er auf sich. „Oder dachten Sie, ich benähme mich zum Vergnügen so mystisch?“
Rubosch meldete sich. „Bedeutet das, dass Sie sich absichtlich lächerlich machen?“
„Ja, aber das hat berufliche Gründe.“ antwortete der Gelehrte.

„Wir besinnen uns hier auf andere Formen von Informationsaustausch.“ warf Scholz ein. „Ausdruck steckt in allen Dingen und die können Dinge erzählen, das glaubt man gar nicht.“

Schalk konnte ein aufbrausender Mensch sein. Energisch wollte er dann stets etwas erreichen, seine Mitmenschen aufscheuchen. Um ihn zu kennen muss man aber wissen, dass er seine Sticheleien gar nicht böse meinte. Hinterher war immer alles wieder gut.
So waren auch die Streiterein mit Scholz „dramaturgische Zwangsmassnahmen“, wie er das nannte.

„Natürlich haben die Leser mehr verdient als unsere gemütlichen Abende an Kaminfeuern.“
Ein Konflikt musste her und da waren wir uns eigentlich auch einig.

Trotzdem - und Schalk sah uns eindringlich an - sei seine Misstimmung begründet auf den schon dargelegten Umstand der Unzufriedenheit. „Wir sind doch nicht zum Ballspielen einen so weiten Weg gekommen.“ Er deutete mit den Fingern durch das Fenster.
Jetzt lag dahinter eine schwarze Leere. Doch tagsüber war das spriessende Blattwerk des gewaltigen Urwaldes zu sehen.