29.12.05

25

„Alle herhören! donnerte Schalk uns an. „Heute startet die gefährliche Expedition durch die Wildnis.“ Dabei schwang er sein Schmetterlingsnetz wie eine Fahne. „Wer mitkommen will, trägt sich auf dieser List ein.“
Ein Bogen Papier lag auf dem Tisch, ein Bleistift daneben.
„Aber Sie kennen uns doch! Weshalb müssen wir unsere Namen aufschreiben?“ fragte Rubosch.
„Das is so bei Expeditionen. Wie ich Euch alle schon darauf hingewiesen habe, werden uns allerlei Gefahren begegnen. Nicht jeder kommt bei einem solchen Unternehmen lebendig zurück.“

Sich weiter über alberne Formalitäten beschwerend setzte Rubosch zwei Kreuze auf die Liste. Er reichte mir den Stift und auch ich unterschrieb.
Zufrieden wandte sich Schalk zum Aufbrechen, als Scholz, der länger gezögert hatte schliesslich doch zum Tisch sprang, aber den Stift aber nicht gut erwischte. Dieser fiel zu Boden. Schnell hob Scholz ihn auf und unterschrieb.
„Da sind wir ja komplett.“ lächelte Schalk.
Rubosch schulterte sein Gewehr. In der Hand hielt er seinen Koffer und liess auch keine Diskussion aufkommen, ihn eventuell da zu lassen.

Wir verliessen das Haus. Vor uns stand der dichte Dschungel. Die Geräusche der Tier und Vögel waren übermässig laut und von fast beunruhigender Vielfalt. Wir hörten das Ächzen und Krächzen alter und morscher Bäume, die vom Zahn der Zeit angesägt einfach umfielen. Trotzwohl es sehr viele waren, sahen wir keinen einzigen umstürzen. Es waren dennoch viele. „Übertrieben viele.“ kommentierte Rubosch verängstigt.

„Halt!“ Der Bass des Kapitäns hielt uns zurück. „Ich komme mit.“
Verdutzt starrten wir ihn an.
Er schimpfte: „Haben Sie noch niemals einen Seemann auf Landausflug gesehen?“
Blitzschnell zog er einen Piratensäbel und köpfte drei Farnstängel, die neben ihm standen mit einem wuchtigen Hieb. „Ich habe schon so manche Expedition miterlebt.“
Er sah uns verheissungsvoll an. „Und überlebt!“

Rubosch und Schalk klatschten begeistert in die Hände. Das sei der Stamm von Männern von denen es nicht mehr viele gab und die auf einer Expedition unentbehrlich waren. Sie gratulierten dem Seemann für sein Überleben bei den unzähligen Gefahren, denen er stand gehalten haben musste. Immernoch verheissend grinste der alte Mann, schwieg aber geheimnisvoll.

Ich sah zur Hütte. Der gelehrte Professor trat heraus und winkte mit einem weissen Taschentuch, das er sich extra aus Scholz Wäscheschrank geholt hatte. „Ich komme nicht mit. Der Dschungel mit seinem feuchten Klima ist nichts für mich.“
Als er uns zum Abschied umarmte, steckte er einen kleinen Gegenstand in Scholz´ Jackentasche, ohne dass er oder einer von es uns bemerkte.
Herzlichst verabschiedeten wir den Freund und versprachen bald wieder zu kommen. „Und einen Schatz mitzubringen.“ lachte Schalk ihm zu.
Rubosch dachte kurz daran, ihm sein Schiessgewehr als Andenken dazulassen. Um aus Langeweile damit rumballern zu können. „Aber ich brauche es bestimmt selbst. Gefährliche Tiger, die blutrünstig sind, Sie wissen schon.“