29.12.05

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Rubosch war bei seiner Nachtwache eingeschlafen und hatte niemanden von der nächsten Schicht geweckt.
So waren wir bei Morgengrauen alle frisch und ausgeschlafen.
„Sogar einen Bach gibt es hier.“ freute sich Scholz und konnte sich waschen.
Er hatte in seinem Gepäck ein kleines Täschchen mit Rasierzeug, Waschlappen und Zahnbürste für unterwegs.
„Packen Sie das Täschchen aus, wenn Sie wieder zuhause sind?“ wollte Rubosch wissen.
Scholz spuckte Zahnpasta aus, bevor er antwortete. „Nein, ich lasse es mitsamt dem Rucksack und der Feldflasche stets bereit liegen. Man weiss nie, wann es losgeht, oder wann Krieg ausbricht. Ich möchte nicht überraschend aufbrechen müssen, ohne wengstens das Nötigste dabei zu haben.

Rubosch betrachtete nachdenklich die olivgrüne Feldflasche, die neben dem Täschchen mit derselben Farbe stand. Er hatte den Freund noch nie daraus trinken gesehen.
„Ich trinke doch nicht aus der Feldflasche!“ rief Scholz. „Das schmeckt viel zu abgestanden.“ Er gab sie Rubosch, der daran schnupperte.
„Ich habe sie mit dem Täschchen und dem Rucksack im Angebot gekauft.“ erklärte Scholz. „Zum Fortwerfen war sie mir zu schade. Wollen Sie sie haben?“
„Geschenkt?“ fragte Rubosch.
Scholz nickte. Eine Feldflasche war das mindeste, was man einem alten Freund schenken sollte.
„Hätte ich sie doch nur früher schon gehabt.“ ärgerte sich Rubsch ein wenig. „Dann hätte ich vielleicht weniger Sehnsucht nach Ihnen gehabt, Scholz, als Sie uns nach Übersee verliessen.“

Ein Schuss knallte. Die beiden schreckten auf. Auch Schalk und ich wurden beim Abbauen der Zelte überrascht.

Aus dem Dickicht stapfte mit festen Schritten der Kapitän. Einen Braten habe er für unsere Verpflegung schiessen wollen. „Aber diese Biester sind viel zu schnell für diesen alten Vorderlader hier. Da drückst Du ab und es dauert lang genug, bis der Knall kommt, da weiss der Braten schon, dass auf ihn geschossen wird und verschwindet.“
„Nichts gegen mein Schiessgewehr!“ beschwerte sich Rubosch. „Man muss nur damit umzugehen wissen!“
Er legte es an, zielte ein wenig in der Gegend herum, bis er einen bunten Vogel im Visier hatte, folgte seinem Flug und schoss daneben. Fein säuberlich abgetrennt flog stattdessen eine gelbe Blüte von einem der Büsche direkt vor dem Kapitän zu Füssen.
„Auf Tiere schiesse ich nicht.“ kommentierte Rubosch. „Es sei denn, sie sind blutrünstig.“

Als wir weitermarschierten begann Schalk ein Gespräch mit dem Kapitän. Über Piraten und vergrabene Schätze. Da wusste der Alte einiges zu erzählen und Schalk stellte wichtige Fragen.
„Schätze vergraben ist ja einfach. Aber einen Schatz finden. Das muss doch eine Herausforderung sein.“ sagte Schalk, um auf den für ihn interessantesten Punkt zu kommen.
Doch der Kapitän wusste es besser. „Sagen Sie das nicht. Die Piraten waren verwegen. So mancher Piratenkapitän nahm eine Hand voll Männer mit an Land und liess sie ein tiefes Loch graben. Meistens an einer Stelle, an der sich zwei Palmen auffällig kreuzen. Dann schoss oder stach er bis auf einen alle seiner Männer nieser. Der übriggebliebene musste das Grab alleine zuschauffeln. Sein Skelett blieb dann für alle Zeiten als Mahnmal vor den Palmen sitzen.
Der Piratenkapitän versteckte dann den Schatz an einem anderen unbekannten Ort.“
Schalk war beeindruckt. So schlimm hatte er sich die Piraten nie vorgestellt. „Aber eigentlich hatte ich auch nie weiter drüber nachgedacht. Als Landratte hört man selten Piratengeschichten.“