29.12.05

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Unser neuer Freund der Buschmann erwies sich als sehr nützlich. Auch er ging schon vorm Morgengrauen voraus und haute uns einen Weg durch das Dickicht, so dass wir nur noch der Schneise folgen mussten. So sparten wir viel Zeit und wenn die Dämmerung kam trafen wir am vorbereiteten Nachtlager ein. Auch beim Zeltaufbau und Feuerholzsammeln packte er eifrig an. Wir hatten fast gar nichts mehr zu tun ausser marschieren und abends den spannenden Geschichten aus dem Busch zuzuhören.
Der Buschmann wusste einiges über seine Heimat zu berichten. Und er erzählte von Schlingpflanzen, Elefantenfriedhöfen und von bösen Buschleuten.
„Aber Sie sind doch auch ein Buschmann.“ schreckte Rubosch auf.
„Es gibt gute Buschvölker und böse Buschvölker. Die Bösen schneiden einem den Kopf ab und essen ihn dann.“
Rubosch stockte der Atem. „Und der Rest?“
„Den lassen sie einfach liegen.“ Und weil Rubosch so schön schauderte fügte der Buschmann noch ein „Buh“ dazu, woraufhin Rubosch zusammenzuckte.
„Und was machen die guten Buschvölker?“ wollte Schalk wissen.
„Die guten Buschvölker denken immer erst nach, bevor sie etwas tun. Dann teilen sie die Aufgaben untereinander auf. Wenn sie damit fertig sind, sammeln sie Beeren und essen sie gemeinsam.“ referierte der Buschmann.
„Ist es nicht auch so, dass sich die Buschvölker untereinander bekriegen und hassen?“ warf Scholz ein.
„Ja, dabei geht es darum, wem das Morgenrot gehört. Die beiden Kriegsparteien stellen sich im Abstand von hundert Metern gegenüber auf und brüllen sich mit ihren Speeren und Rüstungen schleudernd an.“

„Sehr interessant.“ Ruboschs Interesse für fremde Kulturen war wieder geweckt und er stellte dem Buschmann einige Fragen. Der Kernaspekt der Diskussion war - wie Schalk, Scholz und ich müde herausfanden - die grundliegenden Unterschiede zwischen unserer und der Buschländischen Kultur mit Augenmerk auf soziale Strukturen.
Als wir schon längst schliefen diskutierten der Buschmann und Rubosch noch bis in die Abendstunden.

So war Rubosch vorbereitet.

Am nächsten Tag - Rubosch übernahm die Nachhut mit dem Gewehr - folgten wir unserer Schneise, kurz bevor sie wieder zuwuchs. Rubosch scherzte noch darüber, wie schnell der Urwald wieder zuwucherte. Wir bemerkten erst sehr spät, dass etwas nicht stimmte. Rubosch musste in eine Falle getreten sein. Wir ohne es gemerkt zu haben liefen weiter. Als wir zurückrannten sahen wir nur noch ein leeres Loch. „Und Äste und Blätter zur Tarnung.“ entdeckte Schalk.
Der Kapitän wurde wachgerüttelt, doch der wusste auf die Schnelle auch keinen Rat. Wir beschlossen, unser Lager aufzuschlagen. Als der Abend herangebrochen war, traf der Buschmann auf unser Lager. Er hatte schon ein Lager vorbereitet und sich gesorgt, warum wir nicht nachkamen. Schalk und Scholz erklärten ihm die Situation.
„So fangen böse Buschmänner ihre Beute.“ sagte er nachdenklich. „Wir sollten heute Nacht doch wieder Wache halten.“

Wir teilten die Nachtschichten ein und legten uns gleich Schlafen. Aus Sorge um Rubosch konnte jedoch keiner von uns (außer dem Herrn Kapitän) ein Auge zumachen.