29.12.05

35

In der Nacht wachte Schalk während seiner Nachtwache erschrocken auf. Er hatte ein Geräusch gehört, das er nicht einordnen konnte. Nervös griff er zu seinem Schmetterlingsnetz und bedauerte, dass es nicht Ruboschs Schrotflinte war.
Die anderen wollte er nicht wecken. Es hätte ja sein können, dass es sich beim Verursacher des unbekannten Geräusches um einen Bass-Kolibri oder einen ähnlichen Urwaldbewohner handelte. Und dann wäre ihm die Unwissenheit peinlich gewesen.

Schalk also mit dem Netz im Anschlag aus dem Zelt raus. Blitzschnell visierte er mögliche Ziele in allen Richtungen an. Konnte aber in der nächtlichen Schwärze des Urwalds keines ausmachen.
Immerhin konnte er erkennen, dass nichts feindliches um die verlischende Glut des Lagerfeuers herum saß.
Nur der alte Kapitän, eingehüllt in seine Decke und nachdenklich in die Glut blickend.

„Herr Kapitän!“ Schalk nahm das Schmetterlingsnetz unauffällig herunter und trat an die Feuerstelle. „Sie schlafen nicht?“ Der Kapitän nickte. „Bin nicht müde.“ Flüsterte er müde. Schalk setzte sich. Aber seit ihrem Waldschwein schlafen sie doch ständig.“
Müde sah der alte Mann den jüngeren an. „Sie haben recht.“ Nickte er, „ich bin in Wahrheit hundemüde.“

Schalk wartete, bis der Kapitän weitersprach. Das dauerte. Scheinbar war der Seefahrer wirklich sehr unausgeschlafen. Als Schalk schon begann, mit einem Stock in der Glut des Lagerfeuers herumzustochern sprach er weiter: „Mir macht der Vorfall mit Rubosch zu schaffen.“
Der Kapitän seufzte.
Schalk nickte mitfühlend. „Ja, er war ein guter Freund.“
„Nein nein! Dieser Rubosch ist mir ganz egal. Mich ärgert nur, dass es während einer von mir befehligten Expedition geschehen ist.“
Finster blickte der Kapitän Schalk an. „Als ich noch jung war sind Leute von mir abhanden gekommen, wenn ich es so wollte.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust.
Schalk beschwichtigte. „Aber vielleicht haben Sie es ja gewollt. Deshalb ihre große Müdigkeit.“
“Wieso sollte ich das gewollt haben? Immerhin war mein Rubosch derjenige, der stets an den Portwein dachte.“ Und lachend zog der Kapitän eine Flasche Portwein aus seinem Mantel, die er erst kürzlich Rubosch stibitzt haben mochte.

Es wurde noch ein lustiger Abend.